Demenz-Verein Saarlouis e.V. - Demenz Zentrum Saarlouis

15 Jahre Demenz-Zentrum Saarlouis "Villa Barbara" 2002-2017

 Leistungsspektrum Demenz-Zentrum Saarlouis im Überblick

 

Der Demenz-Verein Saarlouis e.V. hat sehr frühzeitig damit begonnen systematisch Hilfen für Menschen mit Demenz und deren Angehörige zu etablieren. Im Landkreis leben derzeit ca. 5.000 Menschen mit einer demenziellen Erkrankung von denen ca. 80% zu Hause durch Angehörige versorgt werden. Da diese Zahl in den kommenden Jahren weiter steigen wird, wurde 1997 der „Demenz Verein Saarlouis e. V.“ ausgehend von einer Initiative des Landkreises Saarlouis gegründet. Der Demenz Verein nimmt sich verstärkt der Betroffenen und ihrer Angehörigen an und bietet mit Beratung, Schulungsangboten und Tagespflege viele Hilfsmöglichkeiten an.
Eine Besonderheit ist,  dass im Vorstand des Vereins die Kreistagsfraktionen geborene Vorstandsmitglieder sind.
Diese Bemühungen mündeten 2002 in der Gründung des ersten Demenz-Zentrums des Saarlandes, das durch den Demenz-Verein Saarlouis e.V. mit Unterstützung des Landkreises Saarlouis und des Landes Saarland getragen wird. Das Demenz Zentrum hält  Hilfemöglichkeiten für Angehörige und Betroffene vor und ist  mitten im Quartier in der Kreisstadt Saarlouis angesiedelt.
Ziel aller Bemühungen des Demenz-Zentrum Saarlouis ist es durch umfassende Hilfen pflegende Angehörige zu unterstützen und somit Heimaufenthalte zu verzögern oder ganz zu vermeiden.
Alle Aktivitäten des Zentrums sind darauf ausgerichtet eine Hilfekette zu schaffen die differenzierte Angebote für Angehörige und Betroffene bereithält.

Zweimal jährlich gibt der Verein eine Informationszeitschrift heraus, die Demenz Info.

Demenz Info Ausgabe 2017/1

Demenz Info Ausgabe 2016/2

Demenz Info Ausgabe 2016/1(pdf-Datei zum Downloaden)

 

Spezialisierte Beratungsstelle

Um die Angebote, die im Demenz-Zentrum bereitgehalten werden, bekannt zu machen, ist eine nachhaltige Presse- und Öffentlichkeitsarbeit erforderlich. Neben allgemeinen Informationen in den regionalen Medien ist hier eine Vernetzungstätigkeit mit anderen Trägern, Vereinen, Verbänden, Kirchengemeinden, Apotheken,  niedergelassenen Ärzten und ambulanten Diensten unabdingbar, denn nur so kann eine Wahrnehmung der Angebote  auf seiten der Angehörigen erreicht werden.
Zentraler Baustein der Hilfekette ist die trägerneutrale und unabhängige Beratungsstelle für pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz, die beim Verein angesiedelt ist und die mittels Beauftragung durch den Pflegestützpunkt Saarlouis im Landkreis Saarlouis die spezialisierte Demenzberatung durchführt, eine Besonderheit im Saarland, unterstreicht dies aber die Funktion des Demenz-Zentrums Saarlouis als Kompetenzzentrum in der Region.
Beweggründe zur Inanspruchnahme des Beratungsangebotes sind hauptsächlich die Hilflosigkeit im Umgang mit den verwirrten Angehörigen, die Intensität der daraus resultierenden Belastungen. Die Informationen über vorhandene Entlastungsmöglichkeiten,  gesetzlichen Vorschriften, die in diesem Zusammenhang relevant sind, wie z.B. mögliche Entlastungen nach dem Pflegeversicherungsgesetz, Verfahren zur Anregung einer Betreuung nach dem Betreuungsgesetz etc. werden den Ratsuchenden erläutert.
Mittlerweile haben wir  durch unsere mediale Präsenz erreicht, dass Angehörige sich meist sehr frühzeitig an uns wenden, wodurch positive therapeutische Möglichkeiten gegeben sind um Häuslichkeit lange aufrecht erhalten zu können.

 

Gerontopsychiatrisches Netzwerk mit Schwerpunkt Demenz

In diesem Zusammenhang ist der Demenz-Verein Saarlouis e.V. durch den Landkreis Saarlouis mit dem Schaffen und dem Betrieb eines gerontopsychiatrischen Netzwerkes mit Schwerpunkt Demenz beauftragt.
Ziel des gerontopsychiatrischen Netzwerkes mit Schwerpunkt Demenz ist es die Pflege- Und Versorgungsqualität von Menschen mit Demenz und deren Angehörigen nachhaltig zu verbessern indem bspw.. versucht wird die Sektorengrenzen aufzuweichen und durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit die Enttabuisierung des Themas Demenz vorangetrieben wird.
Über 30 Akteure (Kommunen Dienste, Einrichtungen und Verbände) haben für die Zusammenarbeit eine freiwillig rechtliche Vereinbarung zur Zusammenarbeit gezeichnet.
Ein umfangreicher Demenzratgeber wurde übergreifend erarbeitet und eine Öffentlichkeitsoffensive gestartet mit jährlich zwei großen Veranstaltungen mit paralleler Podiumsdiskussion und vielen Einzelveranstaltungen vor Ort in den Städten und Gemeinden sowie bei Vereinen und Verbänden.

Im Oktober 2012 wurde von vielen Netzwerkpartnern ein Grundkonsens unterzeichnet. Das Netzwerk ist für weitere Partner offen.

 


Informations- und Schulungsveranstaltungen/Angehörigengruppe

Ein weiterer Baustein der Hilfekette stellen die sehr zahlreichen Informations- und Schulungsveranstaltungen für Angehörige, Interessierte, Fachkräfte und Ehrenamtliche dar, die von niedrigschwelligen Angeboten flankiert werden und die in der Regel auf Basis einer breiten Kooperation mit anderen Behörden und Trägern ( z.B. Landkreis, Stadt, Freie Träger).
Durch die Komplexität der Beratung ist es sinnvoll spezielle Themen im Rahmen von Veranstaltungen zu thematisieren. Dies sind Einzelveranstaltungen zu speziellen Themen, bei denen auch Fachleute als Referenten gewonnen werden ( z.B. Neurologen, andere Fachärzte, Örtl. Betreuungsbehörde, Pflegefachkräfte).
Wegen des großen Bedarfs an Informationen seitens der pflegenden Angehörigen bietet der Verein eine Angehörigenschulung „Hilfe beim Helfen“ an, die in der Regel 4-mal pro Jahr angeboten wird und in Zusammenarbeit mit der AOK Saarland seit 2005 als Pflegekurs angeboten wird. Diese Schulungsreihe hat einen Umfang von 6 Terminen, die alle 2-3 Wochen stattfinden und enthält inhaltlich sehr eingehende Informationen zum Krankheitsbild Demenz ( alle Stadien), zum Pflegeversicherungsgesetz, zur Vorsorgevollmacht, zur gesetzlichen Betreuung und zum Umgang mit Betroffenen sowie zu Entlastungsmöglichkeiten.
Desweiteren wird auch seit 1997 eine angeleitete Angehörigengruppe zum Erfahrungsaustausch regelmäßig vorgehalten.
Prinzipiell wird parallel zu jeder Veranstaltung (bereits seit 1997) eine Betreuungsgruppe angeboten, um es jedem Angehörigen zu ermöglichen auch an den Veranstaltungen teilzunehmen.
Ein weiterer Baustein der Arbeit ist der Betrieb einer spezialisierten Tagesstätte für Menschen mit Demenz die modellhaft für das Saarland ist. Hierbei handelt es sich um eine solitäre Einrichtung, die ausschließlich segregativ betreut.

 

Tagespflege/Häusliche Betreuung für Menschen mit Demenz

Die Öffnungszeiten sind von Montag bis Sonntag von 08.00 Uhr bis 20.00 Uhr an 365 Tagen im Jahr, mit integriertem Fahrdienst und einem erhöhten Betreuungsschlüssel. Weiterhin werden die Mahlzeiten zusammen mit den Gästen zubereitet, die Tagesstätte ist millieutherapeutisch orientiert analog einer normalen Alltäglichkeit. Es stehen 40 Tagespflegeplätze zur Verfügung.
Hier ist auch kurzfristige stundenweise Betreuung möglich.

Das Demenz-Zentrum bietet Häusliche Betreuung mit geschulten Mitarbeitern an, um  den Angehörigen, deren Betroffener immobil ist,  Freizeit zu ermöglichen.
Oberstes Ziel  des Vereins und des Demenz-Zentrums ist es, durch qualifizierte Begleitung und Unterstützung der Angehörigen es zu ermöglichen, Demenzkranke mit temporärer Entlastung der Angehörigen unter bestimmten räumlichen und personellen Gegebenheiten recht lange häuslich zu versorgen und eine stationäre Unterbringung hinauszuschieben, wenn nicht sogar zu vermeiden.
Es zeigt sich jedoch, dass pflegende Angehörige von Demenzkranken nur mit einem relativ hohen Aufwand an Öffentlichkeitsarbeit erreicht werden können. Die Bereitschaft von Angehörigen – wenn diese mit der sehr ausführlichen Öffentlichkeitsarbeit erreicht werden – dann auch mal loszulassen und niedrigschwellige Angebote anzunehmen bedarf weiterer qualifizierter Maßnahmen, die  im Rahmen dieser Hilfekette angeboten werden. So vergeht in der Regel von der Wahrnehmung der Angebote des Vereins oder aber auch anderer Träger bis zum tatsächlichen Loslassen bspw. in Form einer Betreuungsgruppe eine sehr lange Zeit, in der Angehörige Angebote wie Beratung sowie Veranstaltungen intensiv nutzen.
Der innovative Charakter des Demenz-Zentrums liegt in der Bereitstellung und Vernetzung einer sehr umfassenden Hilfekette durch Beratung, Informations-, Schulungs- und Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen sowie niedrigschwelligen Angeboten zur Verbesserung der Versorgungssituation in ambulanten wie aber auch im stationären Bereich unter Einbeziehung aller Akteure in der Region


Fort- und Weiterbildungszentrum

Darüber hinaus ist das Demenz-Zentrum bemüht die Versorgung von Betroffenen in Einrichtungen und durch Dienste weiterhin zu verbessern. Dazu unterhält der Verein ein Weiterbildungszentrum in der Walter-Bloch-Str. 6.
Im Rahmen dieser Tätigkeit wird vom Verein jährlich ein großer Demenzkongress mit vielen Kooperationspartnern ( Deutsche Alzheimer Gesellschaft Landesverband Saarland, Saarländischer Hausärzteverband, VDeK e.V., Sozialverband VDK Saarland, Saarland, Association Luxembourg Alzheimer, Landkreis und Stadt Saarlouis) in Saarlouis-Roden durchgeführt, der eine beachtliche Resonanz nicht nur in unserer Region erfährt . Im Jahr 2014 wird dieser bereits zum 17. mal durchgeführt.
Neben weiteren spezialisierten Workshops, Fachtagungen und Einzelfortbildungen führte der Verein unter Federführung in einem Trägerverbund auch eine „Gerontopsychiatrische Fort- und Weiterbildung zum Schwerpunkt Demenz – Ein trägerübergreifendes regionales Qualifizierungsprogramm für Fachkräfte in der Pflege mit 272 Stunden und für PflegehelferInnen mit 128 Stunden regelmäßig durch Beteiligt sind hier der Landkreis Saarlouis, die bfw-Altenpflegeschule Schwalbach-Elm, AWO-Sozialakademie, CTS-Lernzentrum sowie das St. Nikolaus-Hospital Wallerfangen und die Gerontopsychiatrische Klinik der Saarland-Heilstätten GmbH.
Diese modellhafte Fortbildung belegte im Jahr 2007 den 2. Platz beim ersten saarländischen Weiterbildungspreis der durch das Wirtschafts- und Kultusministerium und das DFKI ( Deutsches Forschungsinstitut für künstliche Intelligenz) verliehen wurde.
Mittlerweile wurde diese bundesweit modellhafte Weiterbildung weiterentwickelt zu einer Ausbildung zur Fachkraft für Gerontopsychiatrie mit 360 Stunden und Abschlussprüfung, die im Saarland einmalig ist.
Der Verein ist auch beteiligt an einem Projekt Demenz im Krankenhaus durch regelmäßiges Einbringen im Rahmen des Projektbeirates.
Darüber hinaus ist der Verein in Zusammenarbeit  mit der Arbeitsgemeinschaft der kath. Krankenhausträger, dem St. Nikolaus-Hospital Wallerfangen als örtlicher Versorger im Bereich Psychiatrie/Geriatrie und dem Iso-Institut tätig als direkter Kooperationspartner eines Projektes Demik-Plus, das vom Landkreis Saarlouis und dem Saarländischen Sozial- und Gesundheitsministerium gefördert wird.
Im Projekt Demik Plus das mit den Akteuren im Demenz-Zentrum entwickelt wurde werden nach Identifizierung und Diagnostizierung von Menschen mit Demenz im Krankenhaus durch das Demik-Projekt nach der Entlassung im Rahmen eines interdisziplinären Hausbesuchs die Weichen für die weitere häusliche Versorgung gestellt. In Krisensituationen kann auf eine spezielle Fachkraft sowie ein Ärzteteam zurückgegriffen werden das Behandlung in der Häuslichkeit durchführt um unnötige Krankenhauseinweisungen zu vermeiden.


Landesfachstelle Demenz (Flyer Landesfachstelle)

Seit 01.12.2012 ist der Verein auch Träger der Landesfachstelle Demenz, die im Rahmen einer Landesinitiative unter Beteiligung der Pflegekassen eingerichtet wurde. Die Finanzierung erfolgt nach § 45c SGBXI.
Die Landesfachstelle Demenz soll ausgehend von den Erfahrungen im Demenz-Zentrum Saarlouis darauf hinwirken, dass im gesamten Saarland spezialisierte Strukturen zur Unterstützung für Menschen mit Demenz und deren Angehörige entstehen (Servicestellen für Demenzberatung, Netzwerke) . Desweiteren soll die Enttabuisierung des Themas Demenz vorangetrieben werden wie  bspw. durch die Planung und Durchführung von Tagungen und öffentlichen Veranstaltungen.
Uns ist nicht bekannt, dass an anderer Stelle im Saarland an der Vernetzung einer solch umfassenden Hilfekette gearbeitet wird.
Der Landkreis Saarlouis hat somit für das Saarland durch die frühzeitige Schaffung, den weiteren Ausbau und der Qualität der Hilfen für Menschen mit Demenz und deren Angehörige durch das Demenz-Zentrum Saarlouis eine Vorreiterrolle für das Saarland.

 

 

 

Es ist  geplant die umfassende Hilfe- und Versorgungskette stetig zu verbessern.